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Alt 20.06.2012, 21:35
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Ausrufezeichen Gefährliche Ketone, DKA (diabetische Ketoazidose) bei Katzen

Hallo Zusammen,

aus aktuellem Anlass, moechte ich einige Sachen hier wiederholen. Sie stehen zwar auf unseren Info-Seiten, aber ich habe den Eindruck, sie werden nicht immer gelesen.

Typische Symptome einer Ketose/Ketoazidose:
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Apathisch, schwach bis zum Koma
  • Schnelles Atmen
  • Austrocknung
  • Azetongeruch in der Atemluft
  • Blutzuckerwerte >200 mg/dL: wir haben noch nie eine Katze im Forum gehabt, die bei täglichen Nadiren die deutlich <200 mg/dL lagen, Urinketone oder signifikant erhöhte Blutketone entwickelt hat. Sollte deine Katze schlecht eingestellt sein oder plötzlich höhere Werte entwickeln (mit oder ohne Infekt), solltest du deswegen täglich nach Ketonen messen.
Auch Katzen die schon laenger dabei sind, koennen von Ketonen betroffen sein -- genau in so einer Situation wie oben beschrieben, wenn einige Tage lang die Nadire >200 mg/dl liegen.

Bei Newbies ist die Situation aber am Gefaehlichsten: oft sind die Katzen schlecht eingestellt bzw. bekommen nicht genug Caninsulin. Und wenn dann noch ein Wechsel auf Lantus erfolgt, was etwas schwaecher wirkt als Caninsulin, kann es sehr schnell zu erhoehten Ketonen kommen.
  • Sind Ketone gefährlich?
    Ja! Ketone führen über kurz oder lang zu einer Ketoazidose, die oft tödlich endet. Im schlimmsten Fall dauert es nur wenige Stunden bis eine Katze von einer Ketose (also nur Ketone) in eine Ketoazidose schlittert (Stoffwechselentgleisung).

    Wenn du
    Ketone im Urin deiner Katze messen solltest, nimm sofort Kontakt mit deinem Tierarzt auf!

    Wenn du
    Ketone im Blut misst, solltest du folgendes beachten:

    • 0,1 - 1,0 mmol/L Blutketone: Akzeptabler Bereich für Ketonwerte. Behandele den erhöhten Blutzuckerwert entsprechend.
    • 1,1 - 2,4 mmol/L Blutketone: Der Tierarzt sollte informiert werden und die Katze sollte mit mehr Insulin behandelt werden, viel Flüssigkeit aufnehmen und genau überwacht werden um zu verhindern, dass die Ketonwerte weiter ansteigen. Die Ketonwerte sollten so schnell wie möglich wieder <= 1,0 mmol/L sinken.
    • >2,4 mmol/L Blutketone: Bei solchen Werten ist die Lage sehr gefährlich, da höchstwahrscheinlich eine DKA vorliegt. Der Tierarzt sollte sofort informiert und ein effekiver Behandlungsplan sollte sofort in Gang gesetzt werden. Es gibt 2 neue Studien in Katzen die die Grenze identifiziert haben, wo höchstwahrscheinlich eine DKA vorliegt, basierend auf Messungen von Ketonen im Blut: >2,40 mmol/l (Quelle) >2,55 mmol/l (Quelle)
    • N.B. Gut eingestellte Katzen haben Blutketone von 0,0 - 0,2 mmol/L.

    Die wichtigste Massnahme die du nehmen kannst, um die Ketone bei deiner Katze wieder los zu werden ist mehr Insulin zu geben. Es gibt auch noch weitere Massnahmen (z.B. eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme), aber mehr Insulin ist fast immer die wichtigste.
Auch wenn eine Katze mit Blutketonen von 2,4 einen guten Eindruck macht, sollte man nicht versuchen dies Zuhause mit mehr Fluessigkeit zu behandeln. Die Situation kann sehr schnell kippen. Hier noch als Vergleich die aktuellen Empfehlungen aus dem Humanen-Bereich.

Unten ist mein Fragebogen, in dem ich versucht habe die wichtigsten Fragen zusammenzustellen, die man bei einer TK abfragen sollte, bevor man sich dort auf eine DKA-Behandlung einlaesst (Quelle: Jacquie S. Rand, "Diabetic Ketoacidosis dn Hypersomolar Hyperglycemic State in Cats", Vet Clinics of North America, 2013).
Fragebogen DKA Behandlung

1. Wird mit der Infusions-Therapie 1-2 Stunden vor der Insulin-Therapie angefangen?

Korrekte Antwort: Ja (Wegen den Kalium- und Phosphatwerten. Aber nach maximal 4 Stunden sollten sie schon mit Insulin anfangen).

2. Mit welchem Insulin wird eine DKA behandelt?
Korrekte Antwort: Regular (Alt) Insulin. Oder Actrapid. Oder Lantus mit speziellem Protokoll
Falsche Antwort: Caninsulin

3. Wie oft werden die Blutzuckerwerte ueberprueft?
Korrekte Antwort: Anfangs stuendlich. Die BZs sollen naemlich um 36-75 mg/dl pro Stunde sinken bis sie den Zielbereich erreichen. Danach sollte mit Dextrose i.v. supplimentiert werden bis die Urin oder Blutketone weg sind.

4. Wie wird nach Ketonen getestet?
Korrekte Antwort: Besser Blut, Urin aber akzeptabel.

5. Wird mit 0,9% NaCl infundiert?
Korrekte Antwort: Ja. Das Fluessigkeitsdefizit sollte in den ersten 12-18 Stunden ausgeglichen werden. Die Mengen werden mit einer Formel errechnet.
Falsche Antwort: Ringerlactat. Weil Ringerlactat mit Phosphat (Punkt 7), nicht kompatibel ist.

6. Wird ggf. mit Kalium supplimentiert?
Korrekte Anwort: Ja wenn notwendig (meistens). Jede 2-12 Stunden ueberpruefen

7. Wird immer mit Phosphat supplimentiert?
Korrekte Antwort: Ja. Die Katze hat meist schon anfangs Mangel oder kann diese leicht waehrend der Insulintherapie entwickeln.
Leider scheinen viele Tierkliniken oft eine DKA nicht korrekt zu behandeln . Ich bin natuerlich nur auch Laie und stehe nicht daneben, aber wenn die Blutzuckerwerte nicht jede 1-2 Stunden gemessen werden und Insulin gegeben wird bis die Werte bei 180-250 liegen, laeuft was schief.

Ein Hauptziel so einer Behandlung ist die BZ-Werte in den Bereich 180-250 zu bringen (Quelle1, Quelle2). Wenn es zu keine effektiven Kontrolle der Blutzuckerwerte kommt, bringen die anderen Therapieansaetze nicht viel .

Hier ein Zitat von Zeugswetter:
Die erfolgreiche Behandlung der DKA erfordert die Korrek-
tur der Dehydrierung, der Hyperglykämie, der Hyperos-
molarität, der Elektrolytimbalancen, der Azidose und die Be-
handlung eventuell zugrundeliegender Grunderkrankungen.

Das zentrale Ziel ist eine langsame und vorsichtige Kor-
rektur, da zu rasche Veränderungen der Osmolarität und
Elektrolyte mit lebensbedrohenden Problemen einherge-
hen können. Schnelle Veränderungen können in diesem
Zusammenhang schlechter sein als keine (FELDMAN u.
NELSON, 2004). In allen Fällen muss der Tierhalter mit
einem mehrtägigen Klinikaufenthalt des Tieres rechnen.

Wichtig ist das regelmäßige „Monitoring“. Der Blut-
zucker sollte bis zum Erreichen von Bluzuckerwerten um
250 mg/dl (13,9 mmol/l) mindestens alle 1-2 Stunden,
danach alle 4 Stunden gemessen werden. Blutgase und
Elektrolyte sollten über 24-48 Stunden alle 4
-6 Stunden
kontrolliert werden (GRECO, 2004). Die regelmäßige Kon-
trolle der Ketonkörper gewinnt möglicherweise mit der
Messung von β-OHB im Blut an Bedeutung (LAFFEL,
1999).

[....]

Die Therapie lässt sich in 4 wesentliche Teile untertei-
len:
1.) Initiale Infusionstherapie mit besonderer Berücksich-
tigung der Blutkaliumwerte,
2.) Insulintherapie mit dem Ziel einer Blutglukosekonzen-
tration von ~ 250 mg/dl (13,9 mmol/l),
3.) Halten des Blutzuckers auf ~ 250 mg/dl (13,9 mmol/l)
bis zur Behebung der Ketoazidose und
4.) überlappendes Umstellen auf ein Langzeitinsulin.

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