Zurück   Diabetes-Katzen Forum - Hilfe bei der Einstellung von Katzen mit Diabetes > Diabetische Katzen > Remissionen > Erfahrungsberichte

Antwort
 
Themen-Optionen
  #1  
Alt 19.06.2016, 15:28
Benutzerbild von KarinF
KarinF KarinF ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 10.01.2016
Ort: Frankfurt am Main
Beiträge: 121
Standard Karins Dreki - Erfahrungsbericht

Wie wir mit Hilfe des Forums in Remission gingen:

Bei Dreki wurde Ende November 2015 Diabetes festgestellt. Da war er 12 Jahre alt.
Wir hatten gerade drei Monate hinter uns, in denen sich alles um seinen Kreuzbandriss drehte und gehofft, jetzt normalisiere sich das Leben wieder.
Da fing er auf einmal an zu trinken, zu trinken, zu trinken. Die Blutuntersuchung brachte das Ergebnis BZ 452, Fructosaminwert: 527,
Am nächsten Tag musste er zum Einstellen einen Tag in die Praxis.
Start mit 2 IE Prozinc.

Als die Ärztin uns abends, als wir ihn abholten, das Spritzen zeigte, sagte ich: "Das kann ich nicht."
Sie meinte, wir haben keine Wahl, wir müssen. Mit diesen kurzen Spritzen könnten wir bei der Katze nichts kaputt machen. Immerhin.
Am nächsten Morgen also mit Herzklopfen und zitternden Händen die Spritze rein.
Es hat sehr, sehr viel Überwindung gekostet! Ein Trost: es wird erstaunlich schnell zur Routine.

Das Spritzen wurde von Anfang an mit einem Ablenkungsmanöver verbunden. Auf einem Untertellerchen verteilte, kleine Stückchen rohes Fleisch beschäftigten Dreki so sehr, dass er vom Spritzen nichts mitbekam. Wenn wir zu langsam waren, weil die Hautfalte noch nicht passte, drehte er sich höchstens mal zur Seite, als wolle er sagen: "Was macht ihr denn da."
Nach kurzer Zeit war er soweit, dass er angetrabt kam, wenn er sah, dass die Spritze aufzogen wurde.
Nach einer Woche wieder zur TÄ. Der BZ lag bei 140, alle waren glücklich, Dreki galt als gut eingestellt.
14 Tage später war er wieder weit über 200. Dosiserhöhung.

Ich hatte immer noch keinen BZ gemessen. Dazu sah ich mich nicht imstande. In diese zarten Öhrchen stechen? Niemals! Ich konnte also nicht einschätzen, wie bei ihm der Zucker stand.
Sobald er mir zu ruhig erschien, packte mich die Panik: Unterzuckerung? Ketoazidose?

Nach einem Monat habe ich dann erstmals gemessen. Die TÄ hatte uns feine Spritzennadeln zum Stechen mitgegeben und meinte, ich müsse nur messen, wenn er irgendwie komisch wäre. Von Ohr anwärmen (was dringend nötig ist), sagte sie nichts. Inzwischen war ich cooler, aber die Nadel ins Ohr hauen war wieder ziemlich gewöhnungsbedürftig. Auch hier gab es ein Ritual, diesmal waren es Leckerlis, die er über alles liebt und die es nur noch nach dem Messen gab, so dass er auf den Tisch sprang, sobald das "Besteck" ausgepackt wurde. Wenn ich ihn alleine messen musste, kniete ich mich auf den Boden und setzte ihn zwischen meine Beine, so dass er nicht nach hinten weg konnte und ich ihn vorne gut im Griff hatte. Die Zeit des Ohranwärmens verkürzte er uns mit herzhaftem Schnurren.

Unser Leben hatte sich inzwischen rund um die beiden täglichen Spritzzeiten organisiert. Abendliche Verabredungen mussten sich danach richten, was nicht jeder verstand. Wir ernteten manches Kopfschütteln. Catsitter fielen aus, weil sie nicht spritzen konnten. Urlaub rückte in weite Ferne.

Anfang Januar meldete ich mich im Forum an. Ich hatte schon viel über Lantus gelesen und wollte umstellen. Gar nicht so einfach. Unsere TÄ kennt das nicht, also mussten wir in die Tierklinik. Dort wurde ein Ultraschall von der Bauchspeicheldrüse und den Nieren gemacht, alles den Umständen entsprechend in Ordnung. Wir gingen mit Lantus nachhause.
Er sollte 1 IE bekommen, wenn er unter 120 BZ liegt, nichts mehr. Nach zwei Tagen war er unter 120 und ich hin und her gerissen. Hier im Forum hieß es, weiter geben, Dosis reduzieren. Die Klinik warnte vor Unterzuckerung. Ich folgte dem Rat der Klinik, was ein Fehler war, denn kurz drauf ging der BZ wieder hoch.
Von da an hielt ich mich an die Empfehlungen hier im Forum, wir bekamen die Werte allmählich in den Griff.
Inzwischen hatte ich durch ein Forumsmitglied einen super Tipp für eine Stechhilfe bekommen (Wellion SafetyLancets 23G), und das Messen klappte jetzt auch stressfrei.
Die Werte hielten sich meist zwischen 90 und 120, ich reduzierte die Dosis immer weiter.
Aber es dauerte, lange blieb er bei den Werten hängen, ging wieder ein bißchen rauf, bekam wieder mehr, ging wieder runter und so weiter.
Er kam aber nie auf die physiologischen Werte von 50 - 80. Vielleicht, weil er durch den Kreuzbandriss eine Arthrose und evtl. Schmerzen hat. An seinem leichten Übergewicht arbeiten wir noch (er dafür, ich dagegen).

Ein- bis zweimal wöchentlich bekam er oral eine Ampulle pankreas suis forte von Heel. Als die Werte noch höher waren, reagierte er nicht darauf, aber irgendwann war seine Bauchspeicheldrüse wohl wieder fit genug, um sich helfen zu lassen. Am nächsten Tag waren die Werte stets niedriger.

So hangelten wir uns immer tiefer. Um die Minidosis abmessen zu können, besorgte ich mir eine Lupe und eine "dritte Hand", an die ich die Lupe klemmte, druckte mir die Messstreifen aus (was ich viel früher hätte tun sollen, denn erst jetzt bemerkte ich, dass die Skala auf den Spritzen enorme Höhenunterschiede hat!) und landete schließlich bei Rosi.

Wahrscheinlich hätte ich mich immer noch nicht getraut, ganz abzusetzen, wenn nicht eine Magendarmverstimmung bei Dreki mit Nahrungsverweigerung weiteres Spritzen verboten hätte. Dann ließen wir es, und hurra, er blieb stabil.
Nach exakt 6 Monaten!

Ohne das Forum hätten wir das nicht geschafft. Der Support durch die Tierärzte endet bei BZ 120. Damit wäre die Remission nicht drin gewesen.
Die vielen Informationen und Hilfsmittel, die hier im Forum zusammengetragen wurden, sind einfach genial. Und wenn man ganz schnell Rat braucht - irgendjemand antwortet immer.l
Nochmal vielen Dank Euch allen.

Dreki ist jetzt, hoffentlich, stabil. Er langweilt sich nur ziemlich, weil er nicht mehr aus dem Garten darf. Seit dem Kreuzbandriss kann er nicht mehr klettern und springen, was das Einsperren leicht macht. Wir wohnen aber an einem Park, in dem die Gassigänger ihre Hunde frei laufen lassen, das ist einfach zu gefährlich, er kann sich ja auf keinen Baum und über keinen Zaun retten. Außerdem stehen in der Nachbarschaft diverse Fressnäpfe mit Trockenfutter frei zugänglich, und ich könnte nicht mehr kontrollieren, was er frisst.
Es tut mir wirklich weh, wenn er am Gartentor steht und nach den anderen Katzen ruft, als wolle er sagen: ich kann nicht mehr zu euch kommen, kommt zu mir.
(Derweil liegt Tammy zufrieden auf der Gartenbank und döst)
Aber es geht nun mal nicht anders. Und für unsere Nerven ist es auch besser. Die Sorgen, wenn die Katze mal überfällig ist, möchte ich wirklich nicht zurück haben.
__________________
Viele Grüße von Karin mit Dreki
und Tammy

Vorstellung Dreki
BZ Dreki
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen
Themen-Optionen

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 19:31 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.7.3 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
Copyright © 2017 diabetes-katzen.net