Zurück   Diabetes-Katzen Forum - Hilfe bei der Einstellung von Katzen mit Diabetes > Diabetische Katzen > Diabetes-Verschiedenes

Antwort
 
Themen-Optionen
  #1  
Alt 13.05.2006, 22:29
Benutzerbild von Angie und Farah
Angie und Farah Angie und Farah ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 22.04.2006
Ort: Achim bei Bremen
Beiträge: 175
Standard AW: Meike und Kooyanis

Zitat:
Zitat von Kooyanis
Hallo Angie!
Das mit der eingebauten Bremse funktioniert leider nicht bei jedem. Meine Schwägerin wurde schon vom Notarzt mit 2 Glukagon spitzen "wiederbelebt".
Ohne Kontrolle gehe ich das Risiko so nicht ein.
Ups, das hatte ich jetzt noch nicht gelesen. Ja beim Menschen ist das etwas komplizierter mit dem Bolusinsulin und Lantus als Basalinsulin, da eine gute Einstellung hin zu bekommen stelle ich mir sehr schwer vor. Das muß ja exakt zu den Mahlzeiten passen. Und das Kurzzeitinsulin wirkt natürlich noch rasanter als Can. Und dann bremst unter Umständen nix mehr.
Außerdem muß man sicherlich auch gucken um welchen Diabetestyp es sich handelt, Typ I ist da sicherlich schwieriger, als Typ II, wo die Bauchspeicheldrüse noch mitarbeitet. Typ II haben ja die meisten Diabeteskatzen.
Ich hatte schon mal in der Lantusgoup meine ganz persönliche Theorie zu der Wirkungsweise von Lantus in Katzen beschrieben, kann das hier gerne nochmal reinkopieren:

Zitat:
ich habe schon seit langem eine Theorie dazu, hab mich aber noch nie
getraut die hier zu schreiben, aber Tina´s Geschichte bestätigt meine
Theorie wieder voll.

Wie wir hier beobachten können ist der Bedarf an Insulin ja sehr
unterschiedlich. Von Tröpfchen bis 2x7 IE ist glaube ich das Maximum,
was wir hier hatten. Deshalb glaube ich, das man bei weniger als 7 IE
davon ausgehen kann, das ein Teil des Insulinbedarfs immer noch durch
die eigene Bauchspeicheldrüse gedeckt wird. Sonst würden ja alle
Katzen 7 IE brauchen.
Sagen wir mal die Katze benötigt 3 IE, dann werden die restlichen 4
IE selbst produziert.
Wenn der Blutzucker dann fällt in einen Bereich von unter 50, ist bei
Lantus, da Lantus ja sehr langsam wirkt (im Vergleich zu anderen
Insulinen), der Körper noch in der Lage schnell genug zu reagieren
und einfach die Eigenproducktion zu drosseln, damit der BZ nicht in
den Unterzucker rutscht. Und weil der BZ so schön langsam fällt
bleibt auch die Leber ruhig und schüttet kein Glycogen aus (Somogyi),
denn auch das beobachten wir hier ja sehr selten.
Und das geht eben mit anderen Insulinen (außer Levemir und evtl.
Ultratard) nicht, weil die Werte zu schnell sinken.
Die Kunst ist es im Prinzip, die Dosis zu finden, wo zwischen
externer Gabe und Eigenproduktion ein exaktes Gleichgewicht herrscht,
am besten so, das sich die BSD ein wenig ausruhen kann und damit die
Glucosetoxizität durchbrochen wird.

Der Weg dahin ist nur leider oft recht holperig. Da braucht man halt
sehr viel Geduld und sehr viel Mut. Schwierig ist es dann bei BSD die
anscheinend stottern, also mal mehr mal weniger selbst produzieren.
Das ist meistens in der Anfangsphase so, wenn man die ersten
vereinzelten niedrigen Werte hat. Dann freut man sich und am nächsten
Tag ist alles mit den selben Bedingungen wieder Mist, die Werte
bleiben den ganzen Tag hartnäckig oben, oder gehen sogar noch höher
und man denkt, so, das war´s jetzt, jetzt hab ich Somogyi.
Aber da muß man dann durch und sich mit Minimalsterhöhungen weiter
ranschleichen.
Dann ist man soweit und denkt, man kann reduzieren und das klappt
auch ein paar Tage ganz gut und dann plötzlich wieder ein Rückschlag.
Da ist die BSD, die sich grad so schön erhohlen konnte, dann offenbar
plötzlich wieder vollends überlastet und streikt erstmal wieder
weitestgehend. Warum das so ist, da ist mir allerdings auch noch
keine brauchbare Theorie zu eingefallen.

Wohlgemerkt, das ist alles nur Theorie, die ich mir hier aus meinen
Beobachtungen zusammengesponnen habe. Das heißt natürlich NICHT, das
man ruhig mal ein bischen mehr geben kann, was soll´s der Körper
reguliert das schon. Um Gottes Willen nicht, man muß sich da langsam
ranpirschen und auch der Körper muß erstmal wieder lernen mit so
niedrigen Werten umgehen zu können.
Also Geduld, Geduld, Geduld... und etwas Mut :-)
Vielleicht sollte ich diese wilde Theorie hier auch nicht schreiben, jetzt wo wir öffentlich sind, aber egal, Diskussionen sind erwünscht
__________________
Liebe Grüße
Angie


Farah´s Blutzuckerwerte
Farah´s Geschichte
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 13.05.2006, 22:47
Benutzerbild von Barbara
Barbara Barbara ist offline
Ehrengast
 
Registriert seit: 07.04.2006
Ort: NRW
Beiträge: 4.478
Standard AW: Meike und Kooyanis

Hallo Angie

ich kann mich deiner Theorie nicht anschließen und möchte sie hier auch nicht diskutieren, das vorweg.

Aber eines ist mir wichtig:
Zitat:
Zitat von Angie und Farah
Und weil der BZ so schön langsam fällt
bleibt auch die Leber ruhig und schüttet kein Glycogen aus (Somogyi),
denn auch das beobachten wir hier ja sehr selten.
Die Leber schüttet kein Glycogen aus, das ist eine Speicherform der Kohlenhydrate. Bei Bedarf wird Glycogen wieder zu Glucose abgebaut.
__________________
Liebe Grüße
Barbara mit Moritz & Kitca und Mohrle, Lisa, Zorro und Vevi im Herzen

Zorro's Homepage

"Katzen wurden in die Welt gesetzt um das Dogma zu widerlegen,
alle Dinge seien geschaffen, um dem Menschen zu dienen."
Paul Grey
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 13.05.2006, 23:10
Benutzerbild von Angie und Farah
Angie und Farah Angie und Farah ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 22.04.2006
Ort: Achim bei Bremen
Beiträge: 175
Standard AW: Meike und Kooyanis

Zitat:
Zitat von Barbara
Die Leber schüttet kein Glycogen aus, das ist eine Speicherform der Kohlenhydrate. Bei Bedarf wird Glycogen wieder zu Glucose abgebaut.
Da hast du natürlich recht, und das sind ja auch wahnsinnig komplizierte Vorgänge, die da ablaufen:
http://www.gesundheit.de/roche/pics/....000-1_big.gif

einigen wir uns auf "als Glycogen gespeicherte Glucose"?
__________________
Liebe Grüße
Angie


Farah´s Blutzuckerwerte
Farah´s Geschichte
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 13.05.2006, 23:17
Benutzerbild von Jessica
Jessica Jessica ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 22.04.2006
Beiträge: 1.107
Standard AW: Meike und Kooyanis

Huhu,
also ich muss sagen, ich finde Menschendiabetes eigentlich einfacher. Durch das Kurzzeitinsulin kann man das Essen ziemlich gut wegspritzen und hat keine Spitzen. Wenn man sich mit der Langzeitinsulindosis vertut ists viel schwerer wieder auszubügeln als beim Kurzzeitinsulin und Essen mit Langzeitinsulin abzufangen ist ziemlich unmöglich.
Natürlich birgt das auch Risiken und es kann zu so einer Unterzuckerung kommen wie bei Meikes Schwägerin. Ohje. Ich hoffe Ihr gehts wieder gut? Leider funktioniert die Gegenregulation nicht immer. Das wäre ja zu schön. Das ist ein ziemlich langes kompliziertes Thema und ich schreib mal nix weiter dazu.

Bei Loui wurde nicht getestet ob Typ 1 oder 2 (oder sogar MODY, aber das wäre übertrieben), das finde ich eigentlich schon schade ist ja aber normal. Obwohl der Typus wahrscheinlich bei unseren Süßen sowieso keine Rolle bei der Therapie spielt.

Der Insulinbedarf von Typ 1ern ist tatsächlich oft höher und sie brauchen Langzeitinsuline für den "Grundbedarf". Bei Typ 2ern wird häufig auf Langzeitinsuline verzichtet. Oder eine Behandlung mit Tabletten ist möglich.
Aber man kann da leider nicht sagen ein Mensch braucht so und so viel Insulin und wenn er weniger braucht ists ein Typ 2. Das ist wahnsinnig Individuell. Und auch bei Katzen wird der Insulinbedarf sehr individuell sein und lässt meiner Meinung nach keinen Rückschluss auf den evtl. Typus zu.

Ich finde es spannend und gut wenn man sich einfach seine Gedanken macht. Aber der Theorie würde ich ich mich auch nicht anschließen.

Liebe Grüße
Jessica
__________________
Louis Blutzuckerwerte
Louis Vorstellung

Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen,
müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.
Paracelsus
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 13.05.2006, 23:41
Benutzerbild von Angie und Farah
Angie und Farah Angie und Farah ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 22.04.2006
Ort: Achim bei Bremen
Beiträge: 175
Standard AW: Meike und Kooyanis

Hallo @ all,

leider schweifen wir hier von Meikes eigentlichem Thema ab, aber mich würde schon interessieren, was eure Gedanken zu dem Thema sind. Vielleicht kann man den Thread hier teilen und in die Plauderecke, oder irgendwo anders hintun?
Beim Menschen gibt es ja wohl schon die Möglichkeit TypI und Typ II zu unterscheiden, bei Katzen, soweit ich weis, nicht.

Wie erklärt sich denn eurer Meinung nach die Wirkungsweise von Lantus und Levemir, also speziell die Tatsache das man bei sehr niedrigen Pres die volle Dosis spritzt und es eben nicht zu einer Unterzuckerung kommt. Das die Werte bei hohen Pres deutlich fallen und bei niedrigen Pres nicht?
Lantus hat ja keine eingebaute Intelligenz, wo es weis, jetzt muß ich doll wirken und jetzt nicht. Also muß das doch irgendwie vom Körper reguliert werden?
__________________
Liebe Grüße
Angie


Farah´s Blutzuckerwerte
Farah´s Geschichte
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 13.05.2006, 23:51
Benutzerbild von Barbara
Barbara Barbara ist offline
Ehrengast
 
Registriert seit: 07.04.2006
Ort: NRW
Beiträge: 4.478
Standard AW: Meike und Kooyanis

Hallo Angie,

Zitat:
Zitat von Angie und Farah
Wie erklärt sich denn eurer Meinung nach die Wirkungsweise von Lantus und Levemir, also speziell die Tatsache das man bei sehr niedrigen Pres die volle Dosis spritzt und es eben nicht zu einer Unterzuckerung kommt. Das die Werte bei hohen Pres deutlich fallen und bei niedrigen Pres nicht?
schau doch bitte mal im Info-Bereich in die Basics - FAQ und Anleitung zur Remission.

Zitat:
Zitat von Angie und Farah
Lantus hat ja keine eingebaute Intelligenz, wo es weis, jetzt muß ich doll wirken und jetzt nicht.
Doch keine eingebaute Bremse?
__________________
Liebe Grüße
Barbara mit Moritz & Kitca und Mohrle, Lisa, Zorro und Vevi im Herzen

Zorro's Homepage

"Katzen wurden in die Welt gesetzt um das Dogma zu widerlegen,
alle Dinge seien geschaffen, um dem Menschen zu dienen."
Paul Grey

Geändert von Barbara (14.05.2006 um 00:34 Uhr).
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 14.05.2006, 09:37
Benutzerbild von Tina mit Blacky
Tina mit Blacky Tina mit Blacky ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 24.04.2006
Ort: Salzgitter
Beiträge: 3.188
Standard AW: Meike und Kooyanis

Zitat:
Zitat von Angie und Farah
Wie erklärt sich denn eurer Meinung nach die Wirkungsweise von Lantus und Levemir, also speziell die Tatsache das man bei sehr niedrigen Pres die volle Dosis spritzt und es eben nicht zu einer Unterzuckerung kommt. Das die Werte bei hohen Pres deutlich fallen und bei niedrigen Pres nicht?
Lantus hat ja keine eingebaute Intelligenz, wo es weis, jetzt muß ich doll wirken und jetzt nicht. Also muß das doch irgendwie vom Körper reguliert werden?
Hallo Angie
also eigentlich kann ich dir das garnicht so genau erklären , weil ich gerade bei Blacky nicht weiss was im letzten Jahr so abgegangen ist.
Wir haben ja nun wirklich alles probiert
Bei niedrigen Pre - reduziert
Bei niedrigen Pre - nicht reduziert
Bei niedrigen Pre - zeitversetzt gespritzt
Doch jedesmal ist er wieder hochgedonnert,zum verzweifeln war das.
Irgendwie erkläre ich mir das jetzt so , das es wirklich etwas mit Ph Wert zu tun hat.Vielleicht reagiert Lantus zusammen mit dem PH Wert?
Bei hohen Werten=hoher Ph Wert,deshalb schneller Fall
Bei niedrigen Werten-niedriger PH Wert.
Dann wird wohl auch bei BLACKY der Fehler gewesen sein das ich auf den Nadir geschaut habe,den es bei Lantus ja eigentlich garnicht geben dürfte.
Blacky kam ja oft sehr tief um dann wieder hochzudonnern,oft hat man dann an Somo gedacht,man hat dann reduziert , was jetzt in meinen Augen verkehrt war,denn ich glaube jetzt , das er selbst dort noch zuwenig Insulin bekommen hat.
Erst als ich mit der Dosis noch höher gegangen bin und noch zusätzlich gespritzt habe,ist er unten geblieben.Wahrscheinlich war an Tagen,wo er viel fallen musste,das Depot einfach zu schnell gelehrt und er ist deshalb dann wieder hochgeschossen?
Also ehrlich gesagt,ich weiss es nicht

Ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht,warum Blacky jetzt so wenig Insulin braucht.Haben seine Zellen wieder angefangen zu arbeiten? Oder ist das Depot so stark gefüllt das er sich bei Bedarf bedienen kann? Nur dadurch das er garnicht mehr hoch geht und der PH Wert wohl stabil bleibt,braucht er sich ja nicht viel aus dem Depot nehmen?
Nur das geht ja auch nicht , dann würde er ja bald in Insulin schwimmen,ne ne das haut alles nicht so hin.
Ich weiss es nicht Angie.
__________________
Liebe Grüße Tina mit Purzi und 80 Pfötchen und
Putzi, Morle, Blacky mein Held, Flocki und Franky für immer im Herzen.

Blackys Vorstellung
Blackys BZ-Werte
Blackys BB's

"Menschen, die Katzen nicht mögen, müssen in einem früheren Leben eine Maus gewesen sein"
Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 14.05.2006, 12:33
Petra Petra ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 08.05.2006
Ort: 49179 Ostercappeln
Beiträge: 146
Standard AW: Theorie zu Insulinbedarf und -eigenproduktion

Hallo alle zusammen,

ja, kompliziert ist die Krankheit mit Sicherheit. Komischerweise habe ich während der Heilpraktiker-Ausbildung auch bei dem Thema immer gefehlt....

Insulin ist ja ein Hormon. Ein Hormon kommuniziert nicht nur, wie hier, mit der Bauchspeicheldrüse und Leber, sondern auch mit Teilen des Gehirns.
Wenn also zuviel oder zuwenig Insulin von außen zugeführt wird, reagieren auch anderen Vorgänge im Körper darauf.

Nicht umsonst haben wir u. d. Symptome von Durst und Pieseln (Niere, Blase).

Wenn von außen Insulin zugeführt wird, meldet das Gewebe und somit der gesamte Stoffwechsel ans Gehrin - Hallo, es reicht.
Dadurch wird die Bauchspeicheldrüse aufgefordert, nicht mehr soviel Insulin zu produzieren.
Manche BS-Drüsen reagieren darauf mit: "Gott sei Dank, endllich Pause, ich kann mich erholen".

Hier unterscheiden sich dann halt je Tier (und Mensch) die Schwellenwerte.

Und wenn sie sich erholt haben oder sogar wieder gesund sind, kommt es dazu, daß weniger von außen zugeführt werden muß oder gar zur Remsssion.


Ähnlich verhält es sich ja auch mit der Bildung vom körpereigenen Kortison und der Zufuhr von Kortison von außen.

Auch das Argument mit PH-Wert ist völlig richtig. Wieviele Krankheiten werden gemildert bzw. geheilt, wenn die Menschen ihre Ernährung umstellen und den PH-Wert ins basische kriegen.
Bei Tieren verhält sich das zwar wesentlich seltener so, sollte aber nicht außeracht gelassen werden.

Fazit: Lantus ist nicht intelligent, kommuniziert aber sls Hormon mit vielen Teilbereichen des Körpers, sodaß eine interne Steuerung erfolgt. Je nachdem, wo im Organismus eine "Blockade" sitzt, funktioniert die Reaktion dementsprechend (nicht).

Nochmal Fazit: Wunderwerk Mensch, Tier, Pflanze......

Eine spannende Disskussion..
__________________

Petra (ehemals mit Minka)

Was wäre ein Mensch ohne Tiere?
Wären die Tiere fort, so stürbe der
Mensch an der Einsamkeit des Geistes.
(Häuptling Seattle 1855)
Mit Zitat antworten
  #9  
Alt 14.05.2006, 12:45
Benutzerbild von Barbara
Barbara Barbara ist offline
Ehrengast
 
Registriert seit: 07.04.2006
Ort: NRW
Beiträge: 4.478
Standard AW: Meike und Kooyanis

Hallo Angie,

ich versuche jetzt mal was Verständliches dazu zu schreiben ...

Zitat:
Zitat von Angie und Farah
Beim Menschen gibt es ja wohl schon die Möglichkeit Typ I und Typ II zu unterscheiden, bei Katzen, soweit ich weis, nicht.
Das ist richtig, erst bei eintretender Remission kann man daraus schließen, dass es sich um Typ II gehandelt hat, der überwiegend bei Katzen vorkommt.

Zitat:
Zitat von Angie und Farah
Wie erklärt sich denn eurer Meinung nach die Wirkungsweise von Lantus und Levemir, also speziell die Tatsache das man bei sehr niedrigen Pres die volle Dosis spritzt und es eben nicht zu einer Unterzuckerung kommt. Das die Werte bei hohen Pres deutlich fallen und bei niedrigen Pres nicht?
Erstmal eine (unhöfliche *g*) Gegenfrage: warum sollte es denn so sein, dass durch eine Dosis immer punktemäßig der gleiche Abfall des BZ erreicht wird, egal von welchem Ausgangswert? (Diese Annahme hat mich schon immer irritiert, aber da bin ich wohl doch die Ausnahme )

Lantus bildet ja ein Depot im Unterhautfettgewebe (Schade, dass die Animationen dazu nicht mehr verfügbar sind *seufz*), dass es gleichmäßig freisetzt. Das ist das Besondere an Lantus, die gleichmäßige Wirkung ohne Wirkungsmaximum. Es soll beim Menschen ja über 24 Stunden immer gleich stark wirken. Das ist jetzt der Faktor Insulin von außen.
Der Körper produziert aber im Idealfall auch noch Insulin (besser die BSD), nur reicht das bei Diabetikern nicht mehr aus, um mit dem Überangebot von Glucose fertig zu werden. Glukose wird durch Nahrung direkt oder indirekt zugeführt und außerdem ständig vom Körper produziert, da lebenswichtig. Bei der Glucosezufuhr von außen drosselt der Körper in dem Moment die eigene Produktion. Der Glucosepegel ist also nicht konstant - Produktion und Verbrauch sind variabel.
Die Insulinproduktion der BSD ist bei Diabetikern auch nicht konstant, je nachdem, wie geschädigt die beta-Zellen gerade sind. Wir wissen ja, dass bei Typ II diese Schädigung reversibel ist. Die Erholung (bei Abbau der Glucosetoxizität) und damit die stärkere Eigenproduktion von Insulin geht aber nicht von 0 auf 100 %, sondern schrittweise voran. Das hast du ja selbst schon so beschrieben als "stotternde BSD", da wird zunächst unregelmäßig Insulin produziert bis sie wieder voll funktionsfähig ist und richtig arbeitet.
Das ist der Faktor Insulin von innen.

Wir haben also zwei unzuverlässige Faktoren: Glucoseproduktion bzw. -verbrauch und Insulinproduktion innen und zwei steuerbare Faktoren außen: Fremdinsulinzufuhr und Nahrungszufuhr.
Darum bemüht man sich auch wenigstens die steuerbaren Faktoren konstant zu halten, um Bewegung bei den inneren Vorgängen besser analysieren zu können.

Jetzt ein konstruiertes Beispiel aus der Praxis: Kater Z bekommt auf einen Pre von 300 mg/dl 1 IE Lantus und sinkt damit bis zu +7 auf 90 mg/dl, steigt danach zum nächsten Pre wieder auf 170 md/dl.
Was ist hier passiert? Nur dass 1 IE einen Abfall des BZ um 210 Punkte verursacht haben? Nein ...
Die 1 IE mussten erst mal das Futter, das ja i.d.R. auch zur Spritze gegeben wird, bewältigen. Da Lantus langsam wirkt, dauerte das bis +7. Die Dosis war noch zu gering, um beides zu schaffen - Basallinie halten und extra Futter "verarbeiten" - und der BZ steigt deshalb wieder an. Gleichzeitig produziert der Körper selbst Glucose in einem für uns nicht beobachtbaren Ausmaß. Die kurze Zeit in guten Werten hat aber Kater Z's beta-Zellen fröhlich gestimmt und sie schütten ein bischen mehr Insulin aus als sonst - darum ist der nächste Pre niedriger. Jetzt gibt es wieder 1 IE und Futter. Das Insulin muss nun nicht mehr so dolle gegen das Futter ankämpfen, weil ja auch die BSD ein wenig mitarbeitet. Dafür kann es seine eigentliche Aufgabe wahrnehmen und einen Grundpegel erhalten. Der BZ sinkt schon bei +3 auf 120 und bei +5 auf 60. Der nächste Pre ist dann bei 160. Die beta-Zellen freuen sich noch mehr und produzieren wieder etwas mehr Insulin.
Jetzt reduziert der vorsichtige Dosi die Insulin-Dosis und was passiert? Es reicht nicht mehr aus, um in den physiologischen Bereich zu kommen, die beta-Zellen bekommen einen Glucose-Schock und ziehen sich beleidigt zurück - der BZ steigt wieder.

Das Beispiel soll veranschaulichen, dass immer mehrere Faktoren an einem gemessenen BZ-Wert beteiligt sind. Es gibt dazu noch vielfältige Variationen von z.B. anderer Nährwert des Futters, Erbrechen, Stress, viel Bewegung, Temperatureinfluss oder Insulinantagonisten.

Vielleicht versteht man es leichter, wenn man sich von guten Werten erfreute beta-Zellen vorstellt, die dann auch Insulin produzieren. Das geht natürlich nicht so schnell wie bei Kater Z.

Grundsätzlich kann auch bei Lantus eine Dosierung zu hoch sein und eine Unterzuckerung vorkommen. Der Insulinbedarf der Katze verändert sich ja (hoffentlich) während der Therapie und dann passt man die Dosis daran an. Durch die langsame, gleichmäßige Wirkung von Lantus in Kombination mit Hometesting kann man aber darauf rechtzeitig reagieren.

Es ist aber nicht so, dass alle Katzen 7 IE Insulin brauchen und die, die mit 2 IE gute Werte erreichen, eine besser funktionierende BSD haben. Ich denke der individuelle Insulinbedarf von Mensch oder Katze ist klar, wenn man sich anschaut, wieviele Faktoren da reinspielen.

Die Sache mit dem ph-Wert ist sicher auch wichtig, da das gleichmäßige Verzögerungsprinzip von Lantus ja durch den sauren pH-Wert von 4 erreicht wird. Im Gewebe sollte ein basischer ph-Wert (7,3 - 7,4) sein, wo es dann ausfällt und sein Depot bildet.
Wenn durch eine Krankheit oder zu hohe Glucosetoxizität ein anderer ph-Wert im Gewebe herrscht, kann Lantus nicht richtig wirken. Aber wie sich wo und wann der ph-Wert im Körper verändert, kann ich leider nicht erklären. Vielleicht möchte da wer anders mal nachlesen?
__________________
Liebe Grüße
Barbara mit Moritz & Kitca und Mohrle, Lisa, Zorro und Vevi im Herzen

Zorro's Homepage

"Katzen wurden in die Welt gesetzt um das Dogma zu widerlegen,
alle Dinge seien geschaffen, um dem Menschen zu dienen."
Paul Grey
Mit Zitat antworten
  #10  
Alt 14.05.2006, 12:59
Petra Petra ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 08.05.2006
Ort: 49179 Ostercappeln
Beiträge: 146
Standard AW: Theorie zu Insulinbedarf und -eigenproduktion

Liebe Barbara,

suuper

Jetzt habe ich es auch endlich mal die Wirkweise von Lantus verstanden. Genial.

Hoffentlich behalte ich es - beim nächsten Problem mit Minka.
__________________

Petra (ehemals mit Minka)

Was wäre ein Mensch ohne Tiere?
Wären die Tiere fort, so stürbe der
Mensch an der Einsamkeit des Geistes.
(Häuptling Seattle 1855)
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 05:36 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.7.3 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
Copyright © 2017 diabetes-katzen.net