Barf-Tipps und Rezepte

Dieses Thema im Forum "Katzen-Ernährung" wurde erstellt von SilkeM, 23. September 2018.

Der Entwurf wurde gespeichert Der Entwurf wurde gelöscht
  1. SilkeM

    SilkeM Benutzer

    Hier jetzt Teil 2 zum Thema Barfen!
    Was brauche ich als Grundausstattung um Barf zuzubereiten?

    Das meiste davon dürftet Ihr davon schon in der Küche haben:
    - großes Küchenbrett (z.B. aus Holz)
    - scharfes Fleischmesser (+ einen Wetzstein zum regelmäßigen Nachschärfen)
    - Plastikschüssel für die Fleischmischung
    - Küchenwaage
    - Feinwaage (mind. auf 1/10, besser auf 1/100 Gramm) zum Abwiegen der Supplemente
    - Tupperboxen/Gefriertüten zum Einfrieren der Barf-Portionen
    - Pürierstab/Mixer zum Mixen der Zusätze
    - Entbeinungsmesser für alle die rohes Fleisch vom Knochen lösen wollen (z.B. Putenschenkel, ganze Hühnchen etc.) -> Wobei das echt mühsam ist bei rohem Fleisch, bei gekochtem geht das fast von selbst
    - guter Fleischwolf für alle die gewolftes Fleisch füttern wollen oder das Fleisch samt Knochen kleinmahlen möchten -> Auch das schenke ich mir, ich schneide es lieber klein und ersetze Knochen lieber mit Eierschale und Knochemehl

    Welche Zusätze brauche ich, wenn ich mit Einzelzusätzen barfen möchte?
    Hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten das Fleisch so zu ergänzen, damit eine vollwertige Mahlzeit für die Katze daraus wird und die ursprüngliche Beute (viele Mäuse, gelegentlich Fisch, Vogel, Ratte und anderes Kleingetier) bestmöglich nachgebaut wird. Das Fleisch selbst enthält natürlich auch schon etliche Vitamine und Spurenelemente, leider nicht in ausreichender Form, sodass etliches was auch in den Komplettsuppis enthalten ist, separat ergänzt werden muss.
    Hier mal die wichtigsten im Kurz-Überblick:
    Calcium: Calcium ist in Knochen enthalten. Wer keine Knochen füttern möchte, muss Calcium ergänzen. Das geht ganz einfach und prima mit Eierschalenpulver. Man kann sich zwar die Mühe machen die gepellten Eierschalen selbst zu malen, aber davon habe ich ganz schnell Abstand genommen, 1 Döschen Eierschalenpulver ist nicht zu teuer und hält eine ganze Weile, wozu also der Aufwand? Zusätzlich gibt noch weiter Calciumpräparate wie Calciumcitrat, -carbonat oder Algenkalk, die verwendet werden könne.
    Phosphor: Phosphor ist ebenfalls in Knochen enthalten, deshalb muss man auch dieses ergänzen, wenn keine Knochen gefüttert werden. Das geht prima mit Knochenmehl (z.B. von Grau) oder auch Di-Calcium-Phosphat.
    Das Verhältnis Calcium/Phosphor sollte bei einer gesunden Katze 0,9/1-1,2/1 liegen.
    Taurin: Mäuse enthalten sehr viel Taurin, sodass dies bei anderen Fleischsorten zugesetzt werden muss. Taurinpulver kann man in Barfshops etc. kaufen. Mit 2 g Taurin/kg Fleisch ist man auf der sicheren Seite.
    Natrium + Chlor: Ist bekanntermaßen in Salz (Natriumchlorid) enthalten. Ich verwende hier reines Meersalz ohne weitere Zusätze. Davon ca. 3-5 g/kg Fleisch.
    Eisen: ausgeblutetes und vor allem helles Fleisch enthält nicht genug Eisen, weshalb man dies in Form von Blut (z.B. Rinderblut), Fortain, Blutmehl oder anderen Eisenpräparaten wie Eisentropfen/-tabletten zuführen muss. Blut wäre eigentlich ideal, da es die natürlichste Zutat ist, leider ist es nicht einfach zu bekommen und nicht jeder mag damit arbeiten. Ich verwende daher simple Eisentabletten (50 mg/St.) aus der Drogerie. Je nach Fleisch wird ca. 1/2 Tablette/kg benötigt.
    Jod: Lässt sich am besten mit Seealgenmehl (Achtung stinkt krass nach Fisch) ergänzen. Je kg Fleisch benötigt man ca. 1 g Seelgenmehl.
    Vitamin A: Ist in Leber enthalten. Man kann frische Leber verwenden oder auch Leberpulverprodukte. Ich kaufe frische Rinder- und Hühnerleber, friere diese ein und schneide mir die benötigte Menge portionsweise ab. Pro kg Fleisch benötigt man nur ca. 5-20 g Leber. Die Spanne, die man lt. Literatur an Leber verfüttern kann ist relativ hoch, hängt aber auch von der Leber ab, da die verschiedenen Sorten unterschiedlich viel VitA enthalten. Das fand ich bei den verschiedenen Rezepten im Netz anfangs recht verwirrend. Trotzdem sollte man Leber und damit Vitamin A auch nicht in zu großen Mengen verfüttern, da eine Überdosierung ungesund ist.
    Vitamin D: Ist in Fisch enthalten. Allerdings muss man hier auf die Sorte achten. Gute Vitamin D-Lieferanten sind Lachs - Salmo Salar und Regenbogenforelle. Gibts beides prima im TK-Regal im Supermarkt. Von Forelle (ca. 20 g) benötigt man wesentlich weniger als Lachs (ca. 100 g/kg Fleisch), was den Geldbeutel schont. Allerdings bekommt man die nur ganz und muss ggf. mit den Gräten kämpfen.
    Vitamin E: Gibts nur in künstlicher Form. Am besten als Tropfen aus der Drogerie/Apotheke. Ich habe die Vitamin E-Tropfen von allcura, davon ca. 3 Tropfen/kg Fleisch. Da man sehr wenig davon benötigt, hält ein Fläschchen seeeeehr lange.
    Vitamin B-Gruppe: Kann man in Form von Bierhefe zuführen oder als Tabletten. Ich nehme die Vitamin B komplex von ratiopharm. Davon benötigt man ca. 1 Kapsel/kg Fleisch.
    Lachsöl: Für den Omega3-Fettausgleich. Gibts als Kapseln in der Drogerieabteilung oder auch in der Flasche im Tierbedarf. ca. 1-2 g/kg Fleisch.

    Die letzten 3 werden nicht immer benötigt, der Bedarf hängt stark vom verwendeten Fleisch ab:
    Kupfer: Bei Bedarf verwende ich Kupfergluconat-Tabletten 0,5 mg aus der Apotheke. Ist auch viel in Wachtelfleisch enthalten, aber nun ja, wer seiner Katze Wachtelfleisch kaufen möchte, bitte nur zu.
    Zink: Gibts z.B. im DM als Zink+Histidin+Cystein-Tabletten. Wird eher bei Rezepten mit viel hellem Fleisch (Geflügel) zusätzlich benötigt.
    Mangan: Gibts als Mangantabletten 2 oder 4 mg in der Apo.

    Das hört sich erst einmal viel an und die Erstanschaffung aller benötigten Suppis ist schon nicht ganz unerheblich. Allerdings halten sehr viele Zutaten davon echt lange, da man nur sehr kleine Mengen pro Katze oder kg Fleisch benötigt, dann man nach der Erstanschaffung nur wenig nachkaufen muss.
     
  2. SilkeM

    SilkeM Benutzer

    Zum Thema Katzen-Barf gibt es einen ganzen Dschungel an Informationen im Netz und wer anfängt sich damit zu beschäftigen ist zumeist erst einmal eher verwirrt als informiert.
    Zuerst einmal muss man zwischen Barf mit rohem und gekochtem (Kochbarf) unterscheiden. Kochbarf verwendet man zumeist bei Unverträglichkeiten von rohem Fleisch z.B. bei ernährungssensiblen oder magenkranken Katzen oder wenn man Schwein füttern möchte. Das darf wegen des Aujeszky-Virus nur gekocht verfüttert werden. Bei Kochbarf, ist außerdem zu beachten dass man die Zusätze (Mineralien und Vitamine) immer nach dem Gewichte des rohen Fleisches bemessen muss und diese auch erst in das abgekühlte Fleisch untermischen darf (von Salz mal abgesehen). Das Kochwasser wird hier übrigens immer mitgefüttert, da Inhaltsstoffe aus dem Fleisch beim Kochvorgang ins Wasser abgegeben werden.

    Neben der passenden Anzahl an Zusätzen ist dem Barf immer auch ausreichend Flüssigkeit zuzugeben. Wer kein Blut füttern will, muss Wasser zugeben. Für die Verdauung werden außerdem 5-10% Ballaststoffe in Form von geraspeltem Gemüse (Gurke, rote Beete, Karotte, Kürbis u.a.) oder vorab eingeweichte Samen (z.B. Flohsamen, Chia, Sesam) zugegeben. Für den Omega3-Fettausgleich darf es dann gerne noch etwas Lachsöl (ca. 1-2 Kapseln auf 1 kg Fleisch) sein. Pflanzliche Öle und Fette (z.B. Rapsöl, Olivenöl etc.) sind für Katzen nicht verwertbar.
    Idealerweise sollte das verwendete Fleisch ca. 5-10% Fettanteil haben. Man kann zur Not etwas Schweine- oder Gänsefett oder Butter untermischen, was aber oft eine elende Schmiererei ist und zu Akzeptanzproblemen führen kann. Ich mische deshalb gerne etwas fetteres Rind mit magerem Huhn.

    Je mehr Abwechslung beim Fleisch umso besser. Geeignet sind roh außer Schwein (und Wildschwein) eigentlich alle Fleischsorten und Innereien. Das hängt natürlich auch von den Vorlieben der Katze und dem Geldbeutel des Halters ab sowie den Beschaffungsmöglichkeiten.
    Frisches Fleisch aus dem Supermarkt wird i.d.R. besser akzeptiert als TK-Ware. Gerade zu Anfang würde ich nicht empfehlen ein komplettes Barf-Paket (i.d.R. ab 7 kg online im Barfshop) zu bestellen. 1. Muss man dafür die Kühlkapazität haben und 2. sollte man sicher sein, dass Katze das auch akzeptiert.
    Ich verwende deshalb nur Fleisch aus dem Supermarkt frisch oder TK und davon hauptsächlich Rind, Huhn, Pute, gelegentlich Lamm oder Wild. Als Innereien sind Leber (Rind, Huhn) sowie Hühnerherzen und -mägen (TK) recht leicht zu bekommen. Bei allem anderen wird es schon schwierig es sei denn man kennt einen guten, der leider immer seltener werdenden Metzger.
    Gerade anfangs ist es nicht sicher, dass ein Dose oder Trofu gewöhnte Katze "hurra" schreit, wenn man ihr plötzlich rohes Fleisch vorsetzt. Da gehört oft wie bei jeder Futterumgewöhnung sehr viel Geduld dazu.

    Ich rate auch jedem Anfänger erst einmal mit sog. Komplettsupplementen anzufangen und sich erst nach und nach mit dem Thema Einzelsupplemetierung zu beschäftigen. Man kann bei Katzenbarf schnell einiges falsch machen, deshalb ist man mit Komplettsuppis anfangs auf der sicheren Seite.
    Mit bekannte Komplettsuppis sind folgende:

    1. Felini complete oder Felini renal für Katzen mit Nierenproblemen (beides bei zooplus):
    Hier darf nur Fleisch ohne Knochen und ohne Leber verwendet werden. Es muss lediglich Gemüse/Samen, Wasser und ggf. Lachsöl hinzugefügt werden. Alles andere ist enthalten. Es ist für Anfänger leicht verwendbar und wird auch i.d.R. von Katzen gut und schnell akzeptiert. Ich selbst habe damit angefangen und verwendet es heute noch gerne, wenn es schnell gehen soll (Fleisch wiegen und schneiden, Samen einweichen, Felini abwiegen, alles mischen, Wasser und etwas Lachsöl dazu, alles mischen und ggf. portionsweise einfrieren, fertig: ca. 30 min. Zeitaufwand für 1 kg Fleisch)

    2. Easybarf (von lillysbar):
    Hier gibt es mittlerweile 3 Sorten: basic, plus und sensitive. Sie unterscheiden sich gering in den Inhaltsstoffen Calcium, Phosphat und Taurin, sodass man für jede Ernährung (mit und ohne Knochenfütterung, phosphatreduzierte Diät bei CNI etc.) das passende findet. Bei allen 3 Sorten ist immer neben Fleisch auch noch ein Anteil Leber hinzuzufügen.
    Sehr detailliert und auch mit einiger kleinen Anleitung und Rezepten findet ihr alles dazu auf der Homepage von lillybar:
    http://www.lillysbar.de/epages/61181519.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61181519/Categories/"easy B.a.r.F"

    Die Akzeptanz ist recht gut, bei meinen beiden hat es etwas länger gedauert als mit Felini. Es enthält viel Pektin (daher die hellbraune Färbung). Man braucht deshalb viel Wasser, da Pektin andickend wirkt. Qualitativ ist es aber gut und nach Berechnungen in meinem Barfkalki etwas ausgewogener als das Felini.

    3. TC Premix (beim Tatzenladen):
    Infos dazu mit Rezepten und allem findet Ihr hier:
    https://www.tatzenladenshop.de/de/tcpremix-reg/
    Es gibt 5 Sorten (Original, Basic, Fibre, Plus, NoOvo).
    Ich habe es selbst nie probiert, deshalb kann ich keine eigenen Erfahrungen dazu mitteilen.

    4. CatFortan + Nekton Cat VM:
    Findet Ihr u.a. auch im shop von lillysbar incl. Dosierungsvorschlag (100g Huhn mit 5% Leber, 5% Magen und 15% Herz + 1 Catfortan + 0,8 g Nekton Cat-M)
    Das CatFortan selbst sind Tabs. Ich habe es meinem Kater mal einige Zeit innerhalb der Umstellungsphase auf Barf als Vitaminzusatz zugefüttert, weil er die Tabs so prima akzeptiert hat. Durch die enthaltene Hefe werden sie i.d.R. von Katzen eher wie ein Leckerli angenommen.
    Über die Ausgewogenheit der Kombi kann ich leider nichts sagen. Mindestens für einen Übergangszeitraum aber sicher geeignet.

    Da ich es das erste mal geschafft habe die mögliche Maximallänge eines Beitrags fast zu erreichen, gibts im nächsten Beitrag mehr zum Thema. :smile:
     

Diese Seite empfehlen